Eigene Geschichten als Antrieb für die Contentarbeit

Was die Onlinekommunikation vorwärts treibt, sind kreative Ideen für neue Geschichten und Präsentationformen. Dazu braucht es eine Contentstrategie, eingespielte Abläufe und redaktionelle Kompetenz.

Die Anforderungen an die Contenterstellung sind für den Dialog im Web viel entscheidender als die Frage des eingesetzten Tools. In manchem Webprojekt kommt nach einer Weile der Wunsch nach einer weniger statischen Startseite. Hilfe wird dann oft von neuen Tools oder angesagten Agenturen erwartet. Diese können zwar eine neue Stuktur oder eine frische Hülle liefern. Die Notwendigkeit, mit eigenen Ideen Inhalte zu erstellen, bleibt jedoch unverändert.

Die neuen Funktionen oder Ratschläge können gar bewirken, dass neue Kommunikationskanäle bedient werden müssen, für die gar nicht genügen Kapazität vorhanden ist. Der von der Kreativagentur vorgeschlagene Facebook-Button bedeutet beispielsweise, dass auch im Social Network eine Konversation geführt werden müsste.

Wenn die Organisation schon Mühe zeigte, auf ihrer gewöhnlichen Website ansprechende Inhalte bereitzustellen, wie soll sie es schaffen einen Dialog im Real-Time-Web zu führen? Oder ein Content Management System mit x-verschiedenen Blöcken und Views zu füttern?

Viel zentraler sind Ideen, welche Inhalte überhaupt kommuniziert werden sollen. Und ein Plan, wie ein Thema über mehere Monate im Gespräch bleibt, damit Besucher wiederkommen und sich am Austausch beteiligen.

Der Antrieb für die Onlinekommunikation muss das persönliche Gespräch sein. Denn so kommen auch die Ideen für Texte, die Menschen ansprechen.

Einfache Fragen ergeben einfache Texte

Ich erlebte manche Onlineredaktoren, die sich unwohl fühlten, als sie über technische Themen schreiben oder über ein IT-Projekt berichten sollten. Die vorgefasste Meinung war es offenbar, dass dies schwierige Themen seien und deshalb auch der Text mühsam werden würde.

Wie einfach der Text wird, bestimmen schon die Fragen, die wir zum Thema stellen. Ich gehe Herausforderungen mit komplexen Themen oder zumindest ungewissem Inhalt so an, dass ich mir einfache Fragen ausdenke, die ein Betrachter mit natürlicher Neugierde stellen würde. Die Erfahrung zeigt, dass auf einfache Fragen auch Fachleute meist einfache Antworten geben. So gebe ich mit den Fragen also den Blickwinkel auf das Thema, das Mass der Komplexität, schon vor.

Dabei ist es wie im alten Spruch aus der Schule: «Es gibt keine dummen Fragen.» Alle Fragen helfen zunächst ganz natürlich, eine Konversation in Gang zu bringen, in der sich die Gesprächspartner einander im Niveau annähern. Das klappt fast immer und kommt meist ganz angenehm heraus.

Einfache Fragen sind zum Beispiel (jeweils auf das konkrete Thema oder Produkt bezogen):

  • Wie sieht etwas aus?
  • Wer tut was damit?
  • Was ist das Besondere?
  • Was bedeutet es für Sie?

Als Würze dann noch ein paar beeindruckende Zahlen und als Sahnehäubchen einen kleinen Serviceteil mit dem Wo und dem Wann, und fertig ist der Text – jedenfalls eine gute Grundlage dazu erarbeitet.

Beim Schreiben hilft es schliesslich, sich von neuem in die Konversation hinein zu versetzen, damit so der einfache Ton der Antworten im Text erhalten bleibt.

Was und warum? Einleitungstext als Orientierungshilfe

Besucher möchten meist am liebsten gleich zur Sache. Wie früher festgestellt, orientieren sie sich nach der nächst möglichen Aktion auf einer Webseite: einen Link klicken oder ein Formular ausfüllen.

Als Erklärung, welche Links und welche Handlungen auf einer Seite zur Verfügung stehen, hilft ein Einleitungstext am Eingang der Seite. Im Oktober 2007 hat Jakob Nielsen festgestellt, dass Einleitungstexte oft viel zu lange sind und von Besuchern meist gar nicht beachtet werden («Blah-Blah Text: Keep, Cut, or Kill?»).

Wie soll also ein Eingangstext auf einer Webseite aussehen, damit Besucher wissen, was sie erwartet, und sie durch die Aktionen geleitet werden – wie in einem natürlichen Gespräch?

Jakob Nielsen wiederholt den alten Ratschlag, Texte für das Web um die Hälfte zu kürzen. Aus dem Bauch heraus auf Papier schreiben wir gerne viel Blah-Blah. Schneiden wir diesen Teil weg, bleiben als Einleitungstext meist ein oder zwei Sätze übrig. Das genügt um einfach zu sagen, worum es auf der Seite geht.

Intro text has a valid role in that it helps set the context for content and thus answer the question: What’s the page about?

Sagen Sie im Einleitungstext kurz und einfach, welche Inhalte auf der Seite sind, warum sie hier so gruppiert sind und was sie gemeinsam haben (Nielsen: «What? Why?»). Ein solcher Text hilft den Besuchern, sich auf der Seite besser zurechtzufinden. Selbst wenn der Text beim ersten Besuch übersprungen wird – vielleicht findet jemand bei einem zweiten Blick die Information hilfreich, um das Gefundene einzuordnen.

Vielleicht ist es nicht immer offensichtlich, was im Einleitungstext stehen soll, wenn ja der Inhalt schon alles klar macht. Im Gegensatz zu einer Zahlentabelle, einer Grafik oder einer Linkliste ist der Einleitungstext in natürlicher Sprache geschrieben. So wie Sie in einem Gespräch den Seiteninhalt in einem oder zwei Sätzen beschreiben würden, so können Sie es im Einleitungstext tun.

Für das F-Muster schreiben

An der Webstock Web Conference 2006 hielt Rachel McAlpine eine Präsentation mit dem Titel From plain language to F-language: we’re ready for rules. Darin greift sie die Erkenntnisse aus Jakob Nielsens Alertbox F-Shaped Pattern For Reading Web Content vom 17. April 2006 auf und stellte Regeln für das Schreiben von Web Content vor.

Im Beitrag Oben und links wird gelesen habe ich auf Onlinekommunikation.ch über das F-Muster geschrieben.

Rachel McAlpine spricht von F-headlines, F-summaries und F-links.

F-Überschriften

  • Überschriften dürfen lang sein: 4—10 Wörter
  • Überschriften sollten spezifisch und einzigartig sein, so dass eine Überschriftt nie zweimal vorkommen kann.
  • Die Wörter mit der meisten Information sollten vorne stehen. Die ersten drei Wörter sind wichtig (Rachel nennt dies front-loaded).
  • Überschriften sollten multifunktional sein. Denn sie dienen auch als Link auf der Startseite zum Artikel, als Seitentitel oder als Headline in einem RSS-Feed.
  • Überschriften nach diesen Regeln sparen Geld. Denn Klicks auf einen falschen Artikel wegen einer schlechten Überschrift sind teuer.

F-Zusammenfassungen

  • Der erste Absatz sollte eine Zusammenfassung des ganzen Artikels sein.
  • Rachel spricht von den ersten 16 Wörtern.
  • Auch diese Zusammenfassungen sind wiederverwendbar — zum Beispiel als Teaser oder auch in einem RSS-Feed.

F-Links

  • Links sollten vorne im Satz stehen.
  • In den Links selber sollten auch die ersten drei Wörter die meisten Informationen enthalten.

Rachel macht weiter deutlich, dass mittezentrierte Überschriften und Text in Tabellen wegen des F-Musters beim Lesen schlecht seien.

Zusammen mit den Hinweisen zu einfacher Sprache (plain language) kommt Rachel schliesslich auf die vier Regeln für Web-Content-Schreiber:

Folie von Rachel McAlpine. From plain language to F-language: we’re ready for rules

Die Präsentation gibt es als Video oder Audio zum Herunterladen. Vieles, was ich darin gehört habe, ist mir in Erinnerung geblieben und hat mein Verständnis für das Schreiben für das F-Muster geschärft.

Links: Direkt zur Aktion

Im Web wird geklickt. Website-Besucher fühlen sich hingezogen zu Links und Knöpfen, auf die sie klicken können. Denn die Aktion — so hoffen sie — bringt sie dem Ziel ihres Besuchs näher: auf der Webseite etwas zu erledigen.

Der Text von Links hat grösste Bedeutung, weil Besucher sich meist daran orientieren, worauf sie als nächstes klicken möchten. Der Text vor einem Link findet dabei oft wenig Beachtung.

Mit einer kleinen Textübung demonstriert Gerry McGovern im Artikel Links are the grammar of the Web wie zentral Links für das Schreiben im Web sind. In einem ausführlich formulierten Textabsatz sollen Links gesetzt werden. In seiner Lösung verwirft McGovern den Textabsatz ganz und setzt dafür vier Links in einer Punkteliste.

Die Texte der vier Links sind präzise Angaben, was einen bei einem Klick erwartet: konkrete Hinweise für die nächste Aktion.

In Robert Starks Links: die Regeln sind die Anforderungen an Textlinks zusammengefasst. Linktexte müssen

  • beschreibend
  • explizit
  • unterscheidbar
  • zusammenhanglos verständlich

sein.

Zuerst die Links schreiben und erst dann die Sätze rundherum. Dies ist Gerry McGoverns Praxistipp. Denn die Links machen im Web die Grammatik.

Leser brauchen Hilfen

Leser brauchen Orientierung. Wenn die Augen über Zeitungs- oder Webseiten fliegen, suchen sie nach Anhaltspunkten:

  • Überschriften
  • Zusammenfassungen (Lead)
  • Zwischentitel
  • Bilder und Bildlegenden

Dies sind Lesehilfen. Ohne sie, verlieren sich die Augen der Leser in der Blei- (oder Pixel-)Wüste.

Dass daran etwas Wahres ist, zeigt — wie ich finde — der Kultur- und Savoir-vivre-Teil des heutigen «Tages-Anzeigers». Er wurde von Studierenden der Hochschule für Gestaltung und Kunst Zürich (HGKZ) gestaltet.

Zeitungsseite ohne Lesehilfe

Die Artikel sind sehr aussergewöhnlich auf der Seite angeordnet. «Nur findet man nichts», war die Reaktion meiner Frau beim Durchblättern. Die Seite hat keine Hierarchie und keine Struktur. Es ist nichts da, was dem Lesen helfen würde. So geht schliesslich auch die Botschaft unter.

Hier unterscheiden sich die Vorstellungen der jungen Studierenden, was Zeitungsdesign ist, noch von denen der Macher des «Tages-Anzeiger»-Layouts. Und von den Regeln für das Schreiben im Web. Zum Beispiel: Klare Gliederung durch Überschriften.

«Seven Transformations»

Sieben Merkmale, die Texte lebendiger und direkter machen:

Ich > Du
Nicht von sich selber, sondern vom anderen sprechen.
Features > Nutzen
Nicht aufzählen, was das Produkt kann, sondern was es den Nutzern hilft.
Negativ > Positiv
Ausdrücke vermeiden, die die Nachricht schlecht machen.
Passiv > Aktiv
Sagen, wer etwas tut.
Zeitlos > Aktuell
Den Leser gleich jetzt zu einer Handlung bewegen.
Generell > Spezifisch
Immer genaue Angaben. Sie helfen sofort und sparen Platz.
Hochgestochen > Einfach
Sagen, was gemeint ist – nahe an der gesprochenen Sprache.

Quelle: textgoeshere, High impact copywriting, fast

Schreiben mit Kundenfokus

Eigentlich ist es klar: Firmen schreiben für die Kunden. Doch das bedeutet auch, dass sie beim Schreiben die Kundensicht berücksichtigen sollten.Im Artikel It’s the Customer, stupid macht Bryan Eisenberg wieder einmal deutlich: Firmen sollten auf ihren Websites nicht von sich selbst reden, sondern die Kunden ansprechen.

Realize that the words you use and how you use them are telling your visitors where your focus is. Want them to stick around and eventually take the action you want? Talk about them, their needs, their wants, and how they can get those needs and wants satisfied. Use customer-focused language. Otherwise, they’re going to feel like you’re the self-centered guest at the party.

Um zu messen, ob ein Text kundenorientiert ist, gibt es den Customer Focus Calculator – We We Monitor. Das Tool zählt wie viele Male Wörter in einem Text vorkommen, die sich auf die Firma beziehen, und wie viele Wörter den Kunden ansprechen. Daraus wird die Customer Focus Rate und die Self Focus Rate errechnet.

Obwohl kaum ein Tool gute Texte wirklich messen kann, verdeutlicht der Customer Focus Calculator den wesentlichen Punkt: Es spielt eine Rolle, wie wir mit den Kunden sprechen.

Mir fällt auf, dass wir oft versucht sind, aus Firmensicht mit den Kunden zu kommunizieren. Deshalb müssen wir uns immer wieder auf den Kunden fokusieren.

Selber schreiben geht einfacher

Es geht leichter, einen guten Text von Anfang an selber zu schreiben, als eine schlechte Vorlage zu überarbeiten.

Für diesen Schluss will ich folgende Gründe nennen:

Als geübter Schreiber habe ich meine ganz eigene Art, wie ich an einen Text herangehe. Noch bevor ich schreibe, beginnt der Text zu entstehen. Ich richte mich schon von Beginn weg nach den Anforderungen:

  • Zielgruppe
  • Länge
  • Wichtigkeit
  • Medium
  • Ton

Bekomme ich einen vorformulierten Text, kann ich meine Überlegungen nicht mehr anstellen, weil der Text schon in eine feste Form gebracht wurde.

Beim Überarbeiten, wenn ich gemachte Sätze anrühren will, plagen mich immer Fragen.

  • Hat der Autor dies mit Absicht so ausgedrückt?
  • Ist es ihm wichtig, diese Wörter zu benutzen?
  • Muss dieser Ton beibehalten werden?
  • Geht ein wesentlicher Gedanke verloren, wenn ich das umformuliere?
  • Verletze ich den Autoren, wenn ich seine Stimme abändere?

Dagegen erheben sich meine fachlich begründeten Einwände.

  • So verstehen das die Leser nicht.
  • Das hier ist eine Wiederholung. Streichen!
  • Dieser Absatz sollte aufgeteilt werden.
  • Dieser Gedanke wird nicht abgeschlossen.

Es stellt sich dann die Frage ob ich mit viel Aufwand stark eingreife, oder mit wenig Aufwand nur kleine Änderungen vornehme. Das Resultate wäre leichter zu erreichen gewesen, hätte ich von Anfang an alles selber gemacht.

Es lohnt sich in jedem Fall, gute Schreiber die Arbeit machen zu lassen. Denn schlechte Texte kosten am Ende mehrfach.

Oben und links wird gelesen

Webseiten-Besucher bewegen ihre Augen in zwei horizontalen Linien von links nach rechts und in der Vertikalen am linken Bildrand von oben nach unten.

Das sind die Haupterkenntnisse aus Jakob Nielsens Forschungen mit der Eyetracking-Methode. Veröffentlicht hat er sie in seiner Alertbox F-Shaped Pattern For Reading Web Content vom 17. April 2006.

Nach Nielsen ist es die Form des Buchstabens «F», in welcher Besucher auf der Seite Informationen suchen.

Für das Schreiben von Webtexten bedeutet dies:

  • Besucher lesen Texte nicht wort-für-wort. Die alte Aussage, dass Benutzer Webseiten scannen wurde bestätigt.
  • Die ersten zwei Absätze müssen die wichtigsten Informationen enthalten.
  • Am Zeilenanfang sollten Wörter stehen, die Information tragen. Schon das dritte Wort auf einer Zeile wird weniger häufig gelesen als die ersten zwei.

Eine grafische Darstellung des F-Musters findet sich bei textgoeshere.org.uk.

Robert Stark hat die neusten Nielsen-Ergebnisse früheren Erkentnissen des Poynter Instituts gegenübergestellt. Er weist auf die Gemeinsamkeiten der beiden Untersuchungen hin.

Universelle Einfachheit

Diese Aussagen habe ich beim Lesen des Artikels More Alike Than We Think von «UX matters» unterstrichen (auf Papier, mit Bleistift, im Zug):

  • Jugendliche bevorzugen Websites, die leicht zu überfliegen sind und visuelle Anhaltspunkte haben, gegenüber Sites mit dichtem Text.
  • Ältere Menschen überspringen Text, wenn sie auf unbekannte Begriffe stossen, und übersehen somit oft wichtige Informationen.
  • Websites sollten ältere Menschen nicht mit unnötigen Informationen beladen, die sie davon abhalten, ihre Aufgaben auf einer Seite zu erledigen.
  • Menschen mit geringen Sprachkenntnissen ignorieren oft Informationen, die ausserhalb des Haupt-Inhaltbereichs liegen.
  • Alle Benutzergruppen bevorzugten Seiten, auf denen Informationen in kleinen Einheiten dargestellt waren, mit kurzen Absätzen, die jeder einen Gedanken ausdrückten.
  • Ein Link, der die Worte der Benutzer enthielt, also «Was kostet das?», funktionierte besser als «Kosten für das Studium».
  • Beliebt waren Seiten, die die Fragen der Benutzer klar und direkt beantworteten.
  • Niemand beklagte sich, die Seiten seien zu einfach zu lesen oder zu simpel geschrieben.
  • Benutzer waren eher bereit für weitere Informationen auf einen Link zu klicken, falls auf der Seite bereits Teile ihrer Frage beantwortet wurden.
  • Falls der Absatz vor einem Link nicht hilfreich war, war die Erwartung gering, der Link würde witerhelfen.
  • Eine universelle Sprache für verschiedene Benutzergruppen kann sehr gut funktionieren.
  • Information, die für alle Besucher hilfreich und leicht benutzbar ist.

Sehr empfehlenswerte Lektüre, finde ich.

Fingerzeig mittels Sprache

Hat Sie auch schon einmal jemand nach dem Weg gefragt? Haben Sie darauf auch mit den Händen geantwortet? «Dort, wo Sie das gelbe Haus sehen, nach 100 Metern rechts.»

Auf der Stadtführung zeigt die Tourleiterin auf einen Kirchenturm und sagt: «Die Inschrift sehen Sie gleich unter dem gotischen Fenster links.»

Auch in geschriebenen Texten macht die Sprache deutlich, was zu sehen ist. Die Beschreibung von visuellen Hinweisen macht Texte verständlicher. Die Aufmerksamkeit der Leser lässt sich steuern. Bildhafte Beschreibungen helfen, sich zurechtzufinden.

Oder schreibst du schon?

Kommunizieren Sie noch mit groben Zeichen? Einer Kerbe im Holz? Einem Kreuz an der Decke? Mit willkürlich zusammengesetzten Buchstaben?

Oder schreiben Sie in menschlicher Sprache?

Wenn Sie wollen, dass Ihre Sprache verstanden wird, ist es ein guter Rat, sich an gewisse Regeln zu halten. Es ist die Sprache, die wir miteinander Teilen, die Vertrauen schafft.

Meine Reaktion auf eine Diskussion um die korrekte Schreibweise eines Wortes. Es war ursprünglich so komplett falsch, dass es alles hätte heissen können.

Erkläre es für Vater Boris!

Geek Entertainment TV

Kampf den Buzzwords. Experten pflegen oft eine Sprache, die Nichteingeweihte kaum noch verstehen.

Einen selbstironischen Umgang mit den Modewörtern pflegt Geek Entertainment TV. In die Videobeiträge wird jeweils ein Zähler eingeblendet, immer wenn ein Buzzword fällt. Um den Wert klein zu halten, bittet die Interviewerin Irina Slutsky ihre Gesprächspartner so zu reden, dass es auch ihr Vater Boris verstehe.

Kevin Burton von TailRank.com hat das im abgebildeten Beispiel — wenn auch erst nach entsprechender Aufforderung — sehr gut gemacht.

So reden oder schreiben, dass es alle verstehen, ist eine Anforderung an alle Texte. Damit das leichter gelingt, ist es eine gute Hilfe, wenn man sich den Text so vorspricht, also würde man ihn seinem Vater oder der Grossmutter erzählen. Beim Fernsehen sagten wir jeweils, wir texten für Frau Mörgeli aus Schwamendingen.

Geek Entertainment TV gibt es via iTunes zu sehen.

Leicht lesbare Texte schreiben

Via einen Kommentar von Robert Stark im Usability Weblog habe ich ein grossartiges Arbeitsmittel gefunden:

Leicht lesbar?

In ein Formular geben Sie Ihren Text ein und klicken auf «testen». Das Resultat ist eine Bewertung der Lesbarkeit nach der Flesch-Formel. Berücksichtigt werden die durchschnittliche Wortlänge in Silben und die durchschnittliche Satzlänge in Wörtern. Daraus ergibt sich einen Wert für die Leseleichtigkeit. Sie ist abgestuft nach der Bildung, die ein Lesender haben muss, um den Text gut zu verstehen.

Der obenstehende Absatz hat zum Beispiel einen Flesch-Wert von 52, was gemäss Auswertung dem Bildungsstand eines Neuntklässlers entspricht.

Neben dieser statistischen Analyse der Lesbarkeit gibt es noch andere Kriterien. Der Betreiber von leichtlesbar.ch, das Pressebüro Christian Bachmann, weist auch darauf hin auf der Seite zur Frage Mein Text liegt bei 11, und ich möchte ihn auf mindestens 50 bringen. Wie mache ich das?. Zudem, scheint mir, müssen auch die unterschiedlichen Anforderungen je nach Medium beachtet werden.

Dass ich nun dank dieser Website immer einen Wert für meine Texte vorgerechnet bekomme, ist ein Ansporn für die Arbeit.

Vor dem Workshop Onlinetexten

textgoeshere ist das Blog, in dem Dave Nolan seine Dienste als Schreibtrainer und Web-Editor und -Designer anpreist. Darauf finden sich montalich Artikel zum Schreiben im Web.

Zum Beispiel:

Ins Auge gestochen ist mir auch:

Nolan gibt einige Notizen zu einer Präsentation wieder.

Das passt zu meinem Workshop Onlinetexten (Wiki), den ich morgen halte.

Vor dem Workshop Onlinetexten habe ich auch diverse Bookmarks zu verwandten Themen in meine Sammlung bei del.icio.us aufgenommen.

E-Mail ist Textkommunikation

Mit den Virenproblemen und den Spam-Filtern treten E-Mail-Besonderheiten zu Tage, die in sorglosen Tagen einfach übersehen wurden. Ein Blick auf Sinn und Zweck des Kommunikationsmittels E-Mail kann klären.

E-Mails haben einen Betreff. Wer eine E-Mail schreibt, füllt mindestens drei Felder aus: «An», «Betreff», «Nachricht». Der Betreff ist wichtig, weil er in der Inbox zusammen mit dem Absender angezeigt wird und so ein schnelles Auffinden von Nachrichten erlaubt. Viele geben keinen Betreff an. In der Inbox klafft dann eine weisse Lücke und niemand weiss, wovon die Nachricht handelt. Einige E-Mail-Programme warnen, wenn kein Betreff eingegeben wurde. Diese Warnung ist zwar nervig, doch im Grunde richtig.

Mit E-Mails kommunizieren Menschen. Im Betreff wird dem Empfänger in normalen Worten eine Information weitergegeben. Zum Kommunizieren benutzen wir menschliche Sprache; also alltägliche Wörter, einfache Sätze. Unmenschlich sind Dateinamen («0050600.jpg»), Zeichensalat («_-:~][~:-_») oder computergenerierte Meldungen («E-Mail schreiben an:»).

E-Mail ist Textkommunikation. E-Mails im Textformat transportieren Sprache — das genügt für die Textkommunikation. E-Mails im HTML-Format versuchen dazu Farbe, Gestaltung und Interaktivität zu transportieren. Darauf verzichtet man besser. HTML-Mails sind kleine Webseiten; sie gehören nicht in den Posteingang. Nicht jeder Empfänger will HTML-E-Mails akzeptieren weil sie bösartiken Code enthalten können oder einfach zu farbig sind.

Attachements sind Anhang. Der Inhalt ist in der Textnachricht. Informationen in Dateianhängen sind umständlicher zu lesen. Fotos in Postergrösse verstopfen unnötig die Inbox. Für grosse Dateien bietet das Internet bessere Übertragungswege: FTP und P-2-P-Filesharing.

Als Fazit daraus die Tipps fürs E-Mail-Schreiben ohne Sorgen: Texte und Betreffs in menschlicher Sprache schreiben, im Textformat senden und Anhänge nur wenn nötig.

Siehe auch:
Internet-Tutorial: E-Mail senden und empfangen.

Die sechs Regeln des Schreibens im Web

Die Chefin zum Mitarbeiter: «Schreiben Sie einen Text über unseren Geschäftsanlass für die Website.»

In diese Situation hinein schreibt die Textrainerin Merry Bruns ihren Artikel «The Six Rules of Web Writing». Sie liefert eine handliche 6-Punkte-Zusammenfassung dessen, was schon viele Male als Anleitung zu gutem Schreiben im Web publiziert wurde. Dabei bleibt der Text beim praktischen Beispiel.

Via Writing for the Web.

Grundkenntinisse für Online-Texter

Die Zürcher Agentur webwriting.ch gibt auf ihrer Website einen Einblick in das Schaffen von Webtexterinnen und Webtextern. Unter der Rubrik «Schreiben» enthalten fünf kurze Kapitel wesentliche Informationen für gutes Schreiben im Web.

Die Autorin Margrit Stucki gibt einen Überblick über Textformen im Web, erläutern den Web-Schreibstil sowie die Bedeutung von packenden Überschriften und Eye-Cachern.

webwriting.ch führt auch ein sorgfälltig gepflegtes Weblog.