Wie viel Hervorhebung mit Fettschreibung?

Diese Woche erlebe ich einmal mehr in der Praxis, wie die Lesbarkeit von Web-Texten durch klare Strukturierung und Hervorhebung mit Fettschreibung verbessert werden kann.

Manchen vorliegenden Texten fehlen eine klare Gliederung und beim Scannen (Überfliegen) des Textes bleibt das Auge kaum an einem packenden Wort hängen.

Um die Lesbarkeit der Onlinetexte zu verbessern, arbeite ich mit Überschriften, Absätzen und Hervorhebung durch Fettschreibung. Dabei habe ich mir überlegt, wie viel Fettschreibung denn gut sei. Im Web habe ich dazu Antworten gesucht.

  • Überschriften sind fett. Wichtigstes Element zur Gliederung eines Textes sind natürlich Überschriften. Sie geben dem Text Struktur und einen logischen Aufbau. Sie enthalten wichtige Wörter. Und sie sie geben visuelle Anhaltpunkte — typischerweise mit grösserer Schrift und fett.
  • Fett in Aufzählungslisten. Ein sehr wirkungsvoller Einsatz von Fettschreibung pflegt Amy Gahran. In Bulleted Lists: The Online Writer’s Friend schreibt sie über Aufzählungslisten und gibt den Tipp, jeden Listenpunkt mit einem Satz in Fettschreibung anzufangen. Diese Methode wende ich gerade in dieser Aufzählungsliste an.
  • Nur wenige, einzelne Wörter. Zahlreiche Quellen empfehlen einen zurückhaltenden Einsatz von Fettschreibung. Nicht ganze Sätze sondern nur wesentliche Wörter sollten nach Ursula Schulz‘ Kriterien für Content Usability hervorgehoben werden. In Kapitel 15.6 der Guidelines von Usability.gov wird davor gewart, dass zu viel Hervorhebung den Lesefluss bremsen würde. Bei Kerry Redshaw kann man im Artikel Scannability and Readability in Web Writing gar lesen, Fettschreibung wirke unprofessionell. Fettschreibung sollte für Überschriften reserviert sein. Und wenn es doch fett sein soll, dann nur die ersten paar Wörter eines Absatzes, rät Kerry.
  • Lesbarkeit oder Betonung? Die Autoren von Webcredible schreiben in Website content & usability: Bolden two to three words which describe the main point of the paragraph, and not words on which you’re placing emphasis. Dieser Ratschlag mag irritieren, wenn man pflegt, mit dem HTML-Tag <strong> Wörter mit starker Betonung hervorzuheben. Dies im Unterschied zu einer Hervorhebung mittels <b>, die keine Betonung markiert. Werden jedoch die wesentlichen Wörter in einem Absatz mit <strong> hervorgehoben, dann stimmt wohl meistens die Lesbarkeit und die Betonung.

Damit die Fettschreibung auch tatsächlich beim Lesen hilft, ist es vor allem wichtig, ein gleichmässiges Textbild zu schaffen. Zu viel Fettschreibung sorgt für Unruhe. Verschiedenartige Fettschreibung sorgt für Verwirrung.

In der Praxis will ich weiterhin darauf Acht geben, wenige, aber die wesentlichen Wörter mit Fettschrift hervorzuheben.

Links: Direkt zur Aktion

Im Web wird geklickt. Website-Besucher fühlen sich hingezogen zu Links und Knöpfen, auf die sie klicken können. Denn die Aktion — so hoffen sie — bringt sie dem Ziel ihres Besuchs näher: auf der Webseite etwas zu erledigen.

Der Text von Links hat grösste Bedeutung, weil Besucher sich meist daran orientieren, worauf sie als nächstes klicken möchten. Der Text vor einem Link findet dabei oft wenig Beachtung.

Mit einer kleinen Textübung demonstriert Gerry McGovern im Artikel Links are the grammar of the Web wie zentral Links für das Schreiben im Web sind. In einem ausführlich formulierten Textabsatz sollen Links gesetzt werden. In seiner Lösung verwirft McGovern den Textabsatz ganz und setzt dafür vier Links in einer Punkteliste.

Die Texte der vier Links sind präzise Angaben, was einen bei einem Klick erwartet: konkrete Hinweise für die nächste Aktion.

In Robert Starks Links: die Regeln sind die Anforderungen an Textlinks zusammengefasst. Linktexte müssen

  • beschreibend
  • explizit
  • unterscheidbar
  • zusammenhanglos verständlich

sein.

Zuerst die Links schreiben und erst dann die Sätze rundherum. Dies ist Gerry McGoverns Praxistipp. Denn die Links machen im Web die Grammatik.

Wie wichtig gute Seiten-Titel sind …

… wird offensichtlich, wenn man mit del.icio.us oder anderen Bookmark-Werkzeugen arbeitet.

Es ist eine Anforderung an benutzungsfreundliche Webgestaltung: aussagekräftige Beschreibungen im Seitentitel. Nutzer sind dafür dankbar, wenn sie

  • eine Seite in einem verdeckten Tab oder in der Windows Taskleiste schnell wiederfinden wollen
  • eine Seite aus den Favoriten aufrufen oder die Favoriten neu organisieren
  • eine Seite in einem Bookmarkmanager wie del.icio.us ablegen
  • eine Seite per E-Mail Freunden schicken
  • einen Seitentitel in den Resultaten einer Suchmaschinen angezeigt bekommen.

In allen Fällen kommt dem Text des HTML-Elements <title> eine besondere Bedeutung zu. Er hilft dem schnellen Identifizieren einer einzelnen Webseite.

Hindernis Seitentitel

Das folgende Beispiel zeigt, wie die Benutzung von del.icio.us behindert wird, wenn der Seitentitel nicht aussagekräftig ist:

Link bei delicious posten

Wenn ich Seiten bei del.icio.us (mittels Bookmarklet) ablege, kommt es oft vor, dass ich den automatisch eingefügen Seitentitel im Feld «description» abändern muss.

Artikeltitel einfügen

Ich muss auf der Artikelseite den Titel des Artikels markieren und kopieren, damit ich ihn dann ins «description»-Feld einfügen kann. Nur so habe ich ein Bookmark mit einem beschreibenden Titel.

Dieser Umweg würde mir erspart, wenn im Seitentitel der Titel des Artikels stehen würde. Im Beispiel steht im Seitentitel nur «tagesanzeiger.ch | Digital | Internet». Der Titel des Artikels MP3-Radioshows erobern das Netz fehlt.

Klassisches schlechtes Beispiel sind natürlich die abertausend Seiten mit dem Titel Welcome to Adobe GoLive 4. Hier haben die Webmaster gar nichts getan für die Benutzungsfreundlichkeit, sondern einfach stehengelassen, was das Webprogramm vorgab.

Was ist ein benutzungsfreundlicher Seitentitel?

Auf den Inhalt und auf die Reihenfolge kommt es an.

Das Muster, wie ich Seitentitel schreibe, habe ich irgendwo mal so gelesen (ich weiss leider nicht mehr wo):

Titel/Beschreibung des Seiteninhalts + Kategorie + Sitename (oder Firma)

Der Seitentitel sollte 100 Zeichen nicht überschreiten. Das reicht meistens für eine aussagekräftige Beschreibung. Unter Umständen müssen die einzelnen Teile gekürzt werden; jedoch sollten sie nicht fehlen. Zusätzliche Überlegungen zum Seitentitel lassen sich aus Sicht der Suchmaschinenoptimierung anstellen.

Siehe auch:

Two Kinds of Titles for Web Pages (In-Context and Out-of-Context)