Links: Direkt zur Aktion

Im Web wird geklickt. Website-Besucher fühlen sich hingezogen zu Links und Knöpfen, auf die sie klicken können. Denn die Aktion — so hoffen sie — bringt sie dem Ziel ihres Besuchs näher: auf der Webseite etwas zu erledigen.

Der Text von Links hat grösste Bedeutung, weil Besucher sich meist daran orientieren, worauf sie als nächstes klicken möchten. Der Text vor einem Link findet dabei oft wenig Beachtung.

Mit einer kleinen Textübung demonstriert Gerry McGovern im Artikel Links are the grammar of the Web wie zentral Links für das Schreiben im Web sind. In einem ausführlich formulierten Textabsatz sollen Links gesetzt werden. In seiner Lösung verwirft McGovern den Textabsatz ganz und setzt dafür vier Links in einer Punkteliste.

Die Texte der vier Links sind präzise Angaben, was einen bei einem Klick erwartet: konkrete Hinweise für die nächste Aktion.

In Robert Starks Links: die Regeln sind die Anforderungen an Textlinks zusammengefasst. Linktexte müssen

  • beschreibend
  • explizit
  • unterscheidbar
  • zusammenhanglos verständlich

sein.

Zuerst die Links schreiben und erst dann die Sätze rundherum. Dies ist Gerry McGoverns Praxistipp. Denn die Links machen im Web die Grammatik.

Text vor Design

Words come before looks in web design

Gerry McGovern wiederholt in seiner neusten NewThinking-Ausgabe die umstrittene These, dass Texte auf einer Website viel wichtiger sind als das Design.

Heftig sind auf Aussagen wie diese die Reaktionen von Designern, denen das Grafische am Herzen liegt. Selbstverständlich wehren sie sich zu Recht. Ohne Form und Farben sähe das Internet heute aus wie 1989.Die Publikationen, die das Primat des Texts vertreten, sind jedoch zahlreich.

Never underestimate the importance of words on the web,

lautete der Imperativ des Artikels A Fairy, a Low-Fat Bagel, and a Sack of Hammers bei A List Apart im November 2003.

Oft zitiert wird die Eyetracking-Studie des Poynter Instituts aus dem Jahre 2000. Online-Leser schauen zuerst auf den Text und erst dann auf Bilder. So das Credo. Basierend auf dieser Erkenntnis formuliert auch der Autor Frank Pucher («Das Usability-Prinzip», 2002) den Satz:

Design spielt keine Rolle.

Auch ich habe für meinen Vortrag Texte fürs Web diese These als (rhetorische) Grundlage benutzt.

Gerry McGovern wiederholt die These aus Berufung, wie es scheint. Immerhin gibt er sich kompromissbereit:

It’s not that the look is not important. Just that, on the Web, words come before looks.

Auf die Kritik, er verstehe nichts von professionellem Webdesign, nimmt er die Site eines Webdesigners auseinander und listet – wohl altbekannte – Kritikpunkte auf.

Texte im Web sind von entscheidender Bedeutung, weil sie meist die wichtigsten Informationen enthalten oder darauf hin weisen. Dass auch der Textproduktion und und der Textpflege die nötige Beachtung geschenkt wird, darauf weist Gerry McGovern hin. Und das tut er ununterbrochen und mit glaubwürdiger Kompetenz.