Zielgruppe Blogosphäre

Beitrag geschrieben für das Blog zum Web 2.0 Forum 2007.

Die aktivsten Blogleser sind wohl die Blogger selbst. Weil Blogs häufig aufeinander verweisen und Blog-Schreiber am Dialog in anderen Blogs teilnehmen, ist die Bloglandschaft ein eng geknüpftes Netz. In dieser so genannten Blogosphäre werden auch Unternehmensblogs als erstes wahrgenommen, gelesen und diskutiert.

Für den erfolgreichen Start eines Unternehmensblogs ist es deshalb entscheidend, den Bedürfnissen der Menschen in der Blogosphäre gleich von Beginn weg gerecht zu werden. Finden die Blogger in einem Unternehmensblog einen gleichwertigen Teilnehmer im Netz, geben sie ihm Kredit.

Die Zielgruppe Blogosphäre wird Ihr Unternehmensblog begrüssen, wenn Sie auf folgende Erwartungen acht geben:

  • Auf Augenhöhe mit den Lesern. Blogeinträge werden von Menschen gelesen und so sollten sie auch geschrieben sein. Gefordert ist Authentizität und Persönlichkeit in den Texten. Dies erreichen Sie sicher nicht, indem Sie eine Medienmitteilung ins Blog stellen. Erzählen Sie stattdessen von Ihren Erlebnissen und Gefühlen. Zeigen Sie Wertschätzung für Ihre Leser – es sind Ihre Kunden. Seien Sie offen für den Dialog mit Bloggern und beantworten Sie Kommentare.
  • Vernetzung mit der Blogosphäre. Tragen Sie Ihr Blog in Blogverzeichnissen ein. Allen voran Technorati und die Schweizer-Bloglisten unter list.blogug.ch und Slug.ch. Nutzen Sie auch die Benachrichtigungs-Services dieser Sites (ein so genannter Ping wird bei neuen Einträgen geschickt). So ist die Blogosphäre immer über die Aktivitäten in Ihrem Blog informiert. Führen Sie auch eine Blogroll, eine Liste mit Links zu anderen Blogs, mit denen Sie einen Diskurs pflegen. Und verlinken Sie auf andere Blogs in Ihren Einträgen.
  • Technische Ausstattung. Ihr Blog sollte all das bieten, was Blogger von ihrem eigenen Blog kennen. Zu den Anforderungen an Ihre Blogsoftware gehören daher Permalink, Kommentare (möglichst ohne Registrierung), Trackback-Funktion, RSS-Feed für die Artikel (ev. auch für Kommentare und Kategorien), Archiv und Suche. Beschreibungen dieser Erkennungsmerkmale von Blogs finden Sie in den WeblogFAQ auf meiner Website.

Richten Sie Ihre Blog-Strategie für den Anfang auf die Zielgruppe Blogosphäre aus. Haben Sie einmal dort Sympathie gewonnen, dann werden auch bald weitere Kreise auf ihr Unternehmensblog aufmerksam werden.

Fremdsprachige Wörter und Fachbegriffe: Stopper im Web

Das Thema weckt bei manchen Menschen Emotionen: Immer häufiger begegnen uns Begriffe auf Englisch — in allen Bereichen unseres Lebens. Unsinnig oder schlicht unverständlich erscheinen oft solche Sprachspielereien. Im Web können sie zu echten Hindernissen werden.

Kürzlich hat eine Umfrage gezeigt, dass englischsprachige Werbesprüche von den meisten Menschen in der Schweiz nicht verstanden werden. Zahlen zu den Lesefähigkeiten in der Bevölkerung weisen darauf hin, dass viele Menschen mit Fremdsprachen überfordert sind.

In kurzen Benutzerbefragungen zu einem Webprojekt hörte ich konstant eine Beschwerde: «Das Englische verstehe ich nicht.»

Im Web suchen Besucher nach vertrauten Wörtern, die ihnen Hinweise auf das geben, was sie auf der Seite erledigen möchten. Treffen Besucher dabei auf fremdsprachige Wörter wird das schnelle Abtasten erstmal gestoppt. Der Besucher muss sich zusätzliche Fragen stellen, was grundsätzlich Steve Krugs Usability-Maxime Don’t make me think widerspricht. Fragen nämlich wie:

  • Kenne ich dieses Wort?
  • Verstehe ich seine Bedeutung?
  • Warum ist es wohl in einer anderen Sprache?

Folgende Problemgebiete sehe ich ausserdem:

  • Fremdsprachige Wörter und Fachbegriffe sind oft nicht natürliche Sprache. In einem Gespräch würden wir diese Wörter wohl vermeiden und darauf achten, dass wir dem Zuhörer angemessen sprechen.
  • Fremdsprachige Wörter sind oft nicht eindeutig, weil die Sprachkenntnisse derjenigen, die sie benutzen, und derjenigen, die sie lesen, unterschiedlich sind.
  • Fremdsprachige Wörter werden womöglich vom Schreibenden falsch eingesetzt, so dass ihre Bedeutung nicht einmal verständlich ist, wenn der Leser die Wörter kennt.
  • Hinter fremdsprachigen Wörtern versteckt sich oft Unsicherheit des Schreibenden, wie ein Begriff treffend zu bezeichnen wäre.
  • Fremdsprachige Wörter und Fachbegriffe können elitär wirken und schliessen damit Leute aus.
  • Auch Internet-Modewörter (Beispiel «Podcast») sind Stopper. Die Schwierigkeit besteht hier, dass auch einigermassen etablierte Begriffe erst noch bekannt gemacht werden müssen.

Hier geht es nicht um Sprachhüterei. Sondern um die Beobachtung, wie fremdsprachige Begriffe Lesern das Zurechtfinden auf einer Website erschweren können.

Wie viel Hervorhebung mit Fettschreibung?

Diese Woche erlebe ich einmal mehr in der Praxis, wie die Lesbarkeit von Web-Texten durch klare Strukturierung und Hervorhebung mit Fettschreibung verbessert werden kann.

Manchen vorliegenden Texten fehlen eine klare Gliederung und beim Scannen (Überfliegen) des Textes bleibt das Auge kaum an einem packenden Wort hängen.

Um die Lesbarkeit der Onlinetexte zu verbessern, arbeite ich mit Überschriften, Absätzen und Hervorhebung durch Fettschreibung. Dabei habe ich mir überlegt, wie viel Fettschreibung denn gut sei. Im Web habe ich dazu Antworten gesucht.

  • Überschriften sind fett. Wichtigstes Element zur Gliederung eines Textes sind natürlich Überschriften. Sie geben dem Text Struktur und einen logischen Aufbau. Sie enthalten wichtige Wörter. Und sie sie geben visuelle Anhaltpunkte — typischerweise mit grösserer Schrift und fett.
  • Fett in Aufzählungslisten. Ein sehr wirkungsvoller Einsatz von Fettschreibung pflegt Amy Gahran. In Bulleted Lists: The Online Writer’s Friend schreibt sie über Aufzählungslisten und gibt den Tipp, jeden Listenpunkt mit einem Satz in Fettschreibung anzufangen. Diese Methode wende ich gerade in dieser Aufzählungsliste an.
  • Nur wenige, einzelne Wörter. Zahlreiche Quellen empfehlen einen zurückhaltenden Einsatz von Fettschreibung. Nicht ganze Sätze sondern nur wesentliche Wörter sollten nach Ursula Schulz‘ Kriterien für Content Usability hervorgehoben werden. In Kapitel 15.6 der Guidelines von Usability.gov wird davor gewart, dass zu viel Hervorhebung den Lesefluss bremsen würde. Bei Kerry Redshaw kann man im Artikel Scannability and Readability in Web Writing gar lesen, Fettschreibung wirke unprofessionell. Fettschreibung sollte für Überschriften reserviert sein. Und wenn es doch fett sein soll, dann nur die ersten paar Wörter eines Absatzes, rät Kerry.
  • Lesbarkeit oder Betonung? Die Autoren von Webcredible schreiben in Website content & usability: Bolden two to three words which describe the main point of the paragraph, and not words on which you’re placing emphasis. Dieser Ratschlag mag irritieren, wenn man pflegt, mit dem HTML-Tag <strong> Wörter mit starker Betonung hervorzuheben. Dies im Unterschied zu einer Hervorhebung mittels <b>, die keine Betonung markiert. Werden jedoch die wesentlichen Wörter in einem Absatz mit <strong> hervorgehoben, dann stimmt wohl meistens die Lesbarkeit und die Betonung.

Damit die Fettschreibung auch tatsächlich beim Lesen hilft, ist es vor allem wichtig, ein gleichmässiges Textbild zu schaffen. Zu viel Fettschreibung sorgt für Unruhe. Verschiedenartige Fettschreibung sorgt für Verwirrung.

In der Praxis will ich weiterhin darauf Acht geben, wenige, aber die wesentlichen Wörter mit Fettschrift hervorzuheben.

Für das F-Muster schreiben

An der Webstock Web Conference 2006 hielt Rachel McAlpine eine Präsentation mit dem Titel From plain language to F-language: we’re ready for rules. Darin greift sie die Erkenntnisse aus Jakob Nielsens Alertbox F-Shaped Pattern For Reading Web Content vom 17. April 2006 auf und stellte Regeln für das Schreiben von Web Content vor.

Im Beitrag Oben und links wird gelesen habe ich auf Onlinekommunikation.ch über das F-Muster geschrieben.

Rachel McAlpine spricht von F-headlines, F-summaries und F-links.

F-Überschriften

  • Überschriften dürfen lang sein: 4—10 Wörter
  • Überschriften sollten spezifisch und einzigartig sein, so dass eine Überschriftt nie zweimal vorkommen kann.
  • Die Wörter mit der meisten Information sollten vorne stehen. Die ersten drei Wörter sind wichtig (Rachel nennt dies front-loaded).
  • Überschriften sollten multifunktional sein. Denn sie dienen auch als Link auf der Startseite zum Artikel, als Seitentitel oder als Headline in einem RSS-Feed.
  • Überschriften nach diesen Regeln sparen Geld. Denn Klicks auf einen falschen Artikel wegen einer schlechten Überschrift sind teuer.

F-Zusammenfassungen

  • Der erste Absatz sollte eine Zusammenfassung des ganzen Artikels sein.
  • Rachel spricht von den ersten 16 Wörtern.
  • Auch diese Zusammenfassungen sind wiederverwendbar — zum Beispiel als Teaser oder auch in einem RSS-Feed.

F-Links

  • Links sollten vorne im Satz stehen.
  • In den Links selber sollten auch die ersten drei Wörter die meisten Informationen enthalten.

Rachel macht weiter deutlich, dass mittezentrierte Überschriften und Text in Tabellen wegen des F-Musters beim Lesen schlecht seien.

Zusammen mit den Hinweisen zu einfacher Sprache (plain language) kommt Rachel schliesslich auf die vier Regeln für Web-Content-Schreiber:

Folie von Rachel McAlpine. From plain language to F-language: we’re ready for rules

Die Präsentation gibt es als Video oder Audio zum Herunterladen. Vieles, was ich darin gehört habe, ist mir in Erinnerung geblieben und hat mein Verständnis für das Schreiben für das F-Muster geschärft.

Das Gespräch im Zentrum

In natürlichen, kurzen Gesprächen tauschen wir täglich mit Menschen Informationen aus. Eine Begrüssung — eine Frage — eine Antwort — ein Dank. Wie eine natürliche Konversation unter Menschen ist auch die Onlinekommunikation.

Stellen Sie sich eine Notiz an den Partner am Kühlschrank vor, die dort hängt aber gar nicht beachtet wird. Die Aufmerksamkeit des Partners wird sich nicht auf den Zettel richten, solange nicht in einem Gespräch darauf Bezug genommen wird. Denn der Zettel befindet sich ausserhalb einer natürlichen Konversation zwischen Menschen.

Beachtung finden in einem Gespräch die Inhalte, die in den Fluss der Konversation eingebunden sind. Vergessen gehen Randbemerkungen, die ohne Aufmerksamkeit geäussert wurden.

Im Web findet das Gespräch im Hauptinhaltsbereich einer Webseite statt. Im Optimalfall geht der Text in knapper, menschlicher Sprache auf die beabsichtigten Aktionen der Besucher ein. Klick für Klick folgen Antworten und Hinweise — je nach Lauf der Konversation.

Botschaften in einer Seitenspalte werden kaum wahrgenommen, wenn sie nicht direkt mit der nächsten Aktion des Besuchers im Zusammenhang stehen. Werbebotschaften in einem Teaser oder Zusatzinformationen überspringt das Auge des Betrachters höchstwahrscheinlich. Ja sogar für die Sitenavigation ist mancher Besucher blind, wie Henrik Olsen in Navigation blindness beschreibt. Untersuchungen zur Banner blindness legten nahe, dass auch die Navigation ignoriert würde.

In fact, they found that people tend to ignore any elements that are visually separated from everything else. Their findings suggest that separating navigation areas from the rest of a page may result in navigation blindness.

Im Web sollte deshalb ein Link oder eine Information nicht einfach irgendwo am Rand platziert werden. Die Hoffnung ist schwach, aller Text, der auf der Seite ist, würde dann schon gelesen. Noch eher liest der Partner den Zettel am Kühlschrank.

Dazu noch ein Beispiel: Auf der Seite der Stadtgärtnerei Zürich konnte ich im Inhaltsbereich nichts von den Öffnungszeiten der Schauhäuser lesen. Ich suchte auf mehreren Seiten und fand doch nichts. Das fühlte sich an, als stellte ich in einem Gespräche immer wieder dieselbe Frage, ohne eine Antwort zu bekommen. Geärgert habe ich mich dann als ich endlich sah, dass in der Spalte rechts die Öffnungszeiten angegeben sind.

Links: Direkt zur Aktion

Im Web wird geklickt. Website-Besucher fühlen sich hingezogen zu Links und Knöpfen, auf die sie klicken können. Denn die Aktion — so hoffen sie — bringt sie dem Ziel ihres Besuchs näher: auf der Webseite etwas zu erledigen.

Der Text von Links hat grösste Bedeutung, weil Besucher sich meist daran orientieren, worauf sie als nächstes klicken möchten. Der Text vor einem Link findet dabei oft wenig Beachtung.

Mit einer kleinen Textübung demonstriert Gerry McGovern im Artikel Links are the grammar of the Web wie zentral Links für das Schreiben im Web sind. In einem ausführlich formulierten Textabsatz sollen Links gesetzt werden. In seiner Lösung verwirft McGovern den Textabsatz ganz und setzt dafür vier Links in einer Punkteliste.

Die Texte der vier Links sind präzise Angaben, was einen bei einem Klick erwartet: konkrete Hinweise für die nächste Aktion.

In Robert Starks Links: die Regeln sind die Anforderungen an Textlinks zusammengefasst. Linktexte müssen

  • beschreibend
  • explizit
  • unterscheidbar
  • zusammenhanglos verständlich

sein.

Zuerst die Links schreiben und erst dann die Sätze rundherum. Dies ist Gerry McGoverns Praxistipp. Denn die Links machen im Web die Grammatik.